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Hoffnungsworte

Statt Gottesdienst am 17. Mai 2020

Igor

Vom Beten

Alles begann mit den Worten, die mir meine Oma beim Schlafengehen beibrachte:

“Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm.”

Ein Gebet , das theologisch sicher hinterfragt werden kann, aber doch der Anfang einer wunderbaren Freundschaft wurde. Später lernte ich das Vaterunser und dass es in Ordnung ist, mit eigenen Worten zu beten. Dass ich mit Gott reden kann wie mit einem guten Freund, der nichts weiter trägt von dem, was ich ihm anvertraue. Den ich treffen kann, wann ich will. Und der mich trifft, wenn ich es nicht erwarte.

Beten kann ein Hilfeschrei sein oder ein Lauschen in die Stille. Ich kann tanzend beten - oder beim Gemüseschneiden. An jedem Ort und zu jeder Stunde.

Heute ist der Sonntag Rogate. Übersetzt heißt das: Betet!

Betet! Denn das Gebet hält die Beziehung zu Gott lebendig.

Eine Beziehung lebt davon, dass wir uns austauschen, dass wir uns mitteilen, dass wir sagen, was uns auf dem Herzen liegt. Und auch hören, was unserem Gegenüber wichtig ist. In einer Ehe ist es so, unter FreundInnen, in der Beziehung zu den Kindern, zu Nachbarn und Kolleginnen. In den Phasen, in denen wir uns keine Zeit nehmen zum Reden, weil wir es nicht schaffen oder nicht wollen, wachsen die Missverständnisse.

So ist es auch in der Beziehung zu Gott. Sie wird und bleibt lebendig, wenn wir beten, wenn wir uns mitteilen und Gott die Chance geben, hörbar zu werden.

Davon erzählt ein Priester, der von einer alten Dame um Rat gebeten wurde: "Vierzehn Jahre lang habe ich fast ununterbrochen gebetet, doch nie habe ich ein Gefühl von der Gegenwart Gottes gehabt.” Der Priester fragt nach: “Haben Sie ihm Gelegenheit gegeben, ein Wort einzuwerfen?” Die Dame verneint: “Ich habe die ganze Zeit zu ihm gesprochen. Das ist doch Beten - oder?” Unser Priester verzichtet auf eine ausführliche Antwort und stellt der Dame eine Aufgabe: “Nehmen Sie sich täglich eine Viertelstunde Zeit, setzen Sie sich in einen bequemen Sessel und stricken Sie vor dem Angesicht Gottes. “ Ein paar Wochen später berichtet die Dame voller Begeisterung: “Das ist merkwürdig....Wenn ich zu Gott bete, also zu ihm spreche, fühle ich nichts. Doch wenn ich still dasitze, ihm gegenüber, dann fühle ich mich in seine Gegenwart eingehüllt.”

So bete ich auch oft. Gerade, wenn mir die Worte fehlen. Setze mich an einen ruhigen Ort, schließe die Augen oder schaue etwas Schönes an. Ich lasse den Atem gehen wie er will. Sehe die Bilder an, die aufsteigen, spüre meinen Gefühlen nach. Und stelle mir dann vor: Gott schaut mir zu, wie ich da sitze. Ohne dass ich sagen könnte, wie er genau aussieht - oder sie, oder es. Das ist auch nicht wichtig. Ich spüre nur ein ruhiges liebevolles Lächeln. Das mir allein gilt. Das nicht verschwindet, auch wenn meine Gedanken und Gefühle alles andere als liebevoll sind. Ich spüre Eile, aber das Lächeln schenkt mir Zeit. Tränen steigen in mir auf, aber das Lächeln tröstet mich. Ich fühle mich klein und ohnmächtig, aber das Lächeln weitet mein Herz und richtet mich auf. Ich sorge mich um einen Menschen,  aber das Lächeln sagt: “Ich schaue da gleich mal vorbei.”

Ich habe von Leuten gehört, die so ähnlich angefangen haben mit dem Beten. Ohne Vorerfahrung, aus Neugier auf religiöses Leben. Oder aus tiefster Not heraus. Denn die lehrt ja bekanntlich Beten.

Wer betet, sagt: Ich habe ein Ziel, das über mich selbst hinausgeht. Ich bin mir selbst nicht genug. Ich habe mein Leben nicht allein in der Hand.

“Ich habe heute viel zu tun, da muss ich viel beten”, schreibt Martin Luther an einen Freund. Damit stellt er klar: Wer betet, legt nicht die Hände in den Schoß. Im Gegenteil: Indem ich mein Leben mit und  vor Gott bedenke und die Welt ins Gebet nehme, werde ich zu verantwortlichem Tun befähigt.

Was für ein Geschenk, das Gebet! Es bereichert mein Leben, es öffnet mir den Himmel.

Ihre und Eure Pastorin Gabriele Schinkel

 

 

 

 

Gott auf der Parkbank

Lenny hat heute keine Lust zur Schule. Seine Mutter ist schon los. Sie ist Kassiererin im Supermarkt und muss früh anfangen. Und so frühstückt Lenny alleine, packt sich ein paar Coladosen und ein paar Schokoriegel in seinen Rucksack und stapft lustlos durch die Grünanlagen der Vorstadtsiedlung.

Missmutig kickt er ein paar leere Bierdosen über den Gehweg. Beim Spielplatz fläzt er sich auf eine Bank und packt einen Schokoriegel aus.
Eine alte Frau schiebt ihren Rollator vor sich her. Erschöpft setzt sie sich zu Lenny auf die Bank. Schüchtern fast und ganz ans andere Ende – sie will sich ja nicht aufdrängen.

Lenny futtert seinen Schokoriegel.
Da bemerkt er, wie sie sehnsüchtig nach der Schokolade schaut. Lenny ist irritiert: „Was will die denn?“
Dann zuckt er mit den Schultern, greift in seinen Rucksack, holt noch einen Schokoriegel heraus und gibt ihn der Frau. Dankbar lächelt sie ihn an. Und Lenny findet, ein wundervolles Lächeln!

Prompt greift er noch mal in seinen Rucksack, holt eine Coladose hervor, reißt den Verschluss auf und gibt sie ihr.

Mit zittriger Hand nimmt sie sie und lächelt noch strahlender als zuvor.
So sitzen die beiden den ganzen Vormittag auf der Bank, futtern einen Schokoriegel nach dem andern und trinken Cola.
Und sprechen kein einziges Wort.

Schließlich steht Lenny auf. „Muss jetzt los. Tschüß!“ „Tschüß!“
Zu Hause fragt ihn seine Mutter: „Was hast du denn heute so gemacht?“ „Du, Mom, ich habe Gott getroffen.“
„WAS?! Und wie sah er aus?“
„Sie hat ein wunderschönes Lächeln.“

Auch die alte Frau kehrt zurück. Die Pflegerin im Heim fragt sie: „Wo waren Sie denn? Wir haben uns schon Sorgen gemacht!“
„Ach, stellen Sie sich nur mal vor: Ich habe Gott getroffen!“ „Was?! Und wie sah er aus?“
„Er ist viel jünger, als ich dachte.“

Frei nach Dorothea Riedlinger-Frank
Bild von Ana Gic auf Pixabay

 

Statt Gottesdienst am 10. Mai 2020

Statt Gottesdienst

Gute Worte

Bild von Free-Photos auf Pixabay

„HERR,
wenn ich sehe die Himmel, DEINER Finger Werk,
den Mond und die Sterne, die Du bereitest hast:
was ist der Mensch, dass Du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass DU Dich seiner annimmst?
Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott,
mit Ehre und Herrlichkeit hast DU ihn gekrönt.
Du hast ihn zum Herrn gemacht über DEINER Hände Werk,
alles hast Du unter seine Füße getan:
Schafe und Rinder allzumal, dazu auch die wilden Tiere,
die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer und alles, was die Meere durchzieht.“ – aus Psalm 8
Als ich ein Schuljunge war, hat mich mein Vater mitunter nachts geweckt, um mir die Sterne zu zeigen. Wir standen dann manchmal mitten in der Nacht draußen im Garten und schauten gemeinsam in den Himmel hinauf. Vater zeigte mir die Sternbilder, den Großen Wagen und den Kleinen Wagen. Er erklärte mir auch, dass die Sterne, die wir als kleine glitzernde Lichtpunkte sehen können, in Wahrheit Sonnen sind, so groß wie unsere eigene oder sogar noch größer und heller. Weil sie aber so weit von uns entfernt sind, sehen wir sie nur als Pünktchen.

Und er fuhr fort: „Das weißliche Band, das sich da über den Himmel zieht, das ist die Milchstraße. Sie ist eigentlich eine flache Scheibe und besteht aus unzähligen einzelnen Sternen. Sie sind aber so weit von uns entfernt, dass wir ihr Licht nur als verschwommenes schwaches Leuchten wahrnehmen. Unser Sonnensystem gehört auch dazu. Es liegt ganz am Rand der Milchstraße, und von dort schauen wir ins Innere.“

Damals als Kind habe ich nicht alles verstanden. Und es hat sich für mich recht ungemütlich angefühlt, als Erdenbewohner so ein Randsiedler des Universums zu sein. Ich kam mir so klein vor dabei. Hier standen wir zwei kleine Krümel und sahen nachts hinauf in den unendlich weiten Himmel. Aber die dort oben konnten uns doch unmöglich sehen hier unten. Wir waren ja winzig klein, wir waren doch zum Verschwinden gering.

„Was guckst du denn so traurig?“, fragte mein Vater. „Ich fühl mich so klein“, sagte ich. „Der Himmel ist so groß über uns. Da bemerkt uns doch keiner.“
Mein Vater schaute mich verwundert an. „GOTT hat den Himmel doch nicht groß gemacht, damit du dir klein vorkommen sollst“, erwiderte er. „Im Gegenteil! Ganz erhaben fühlen kannst du dich, wenn du denkst: In diese große Welt hat ER mich hineingesetzt, auf diese eine Erde. ER wollte, dass ich da bin. Ich. Genau hier. Und hier bin ich nun! Verstehst Du? Du bist einmalig. In diesem ganzen riesigen Universum gibt es kein einziges anderes Wesen, das genauso ist wie Du.“
Und als ich noch immer nicht ganz überzeugt war, fügte er hinzu: „Denke doch nur mal an einen Diamanten! Was macht ihn so kostbar? Na? Nicht zuletzt, dass er so selten ist: Ein kleiner Diamant in Tausenden von Tonnen Gestein! Aber welch ein Funkeln! Welches Feuer! Was für ein schöner Glanz! So viel Schönheit! - Ja, wir sind Gottes Edelsteine in SEINER Schöpfung!“

Er hatte Recht. Heute sagt uns die Wissenschaft, dass wir sogar buchstäblich Kinder des Himmels sind: Die Atome, aus denen wir bestehen – wir und die ganze Erde um uns herum, die Pflanzen und Tiere – wurden einmal lange vor unserer Zeit im Innern heißer Sterne durch Kernsynthese aufgebaut. Diese Sterne explodierten und verteilten ihre Materie im All. Daraus wurden neue Sterne und Planeten – und letztlich auch wir.

Wir sind wirklich etwas ganz Besonderes: wir sind Kinder der Sterne. Das dürfen wir uns gerade auch in dunklen Momenten gerne wieder in Erinnerung rufen.
GOTT hat uns groß gemeint und großartig gemacht. ER hat die Welt mit all ihren Naturgesetzen entstehen lassen und hat uns mitten hineingesetzt. Es gibt uns, weil ER uns will. Und ER freut sich, dass wir da sind.
ER liebt diesen kleinen blauen Planeten und seine Bewohner. Vielleicht finden wir in diesem Sommer ja Gelegenheit, einmal in Ruhe den Sternenhimmel über uns zu betrachten - und die Welt und uns selbst gleichsam einmal mit GOTTES Augen zu sehen – und zu staunen über das Wunder des Lebens, von dem wir ein Teil sind. Amen.
Thomas-Christian Schröder

 

Statt Gottesdienst am Sonntag, den 26.04.2020

Bild von Kaatjem auf Pixabay

Liebe Gemeinde,

sie sehen hier abgebildet eine Aufnahme vom Monument „Clave“ im Hafen von Rotterdam, welches an die Abschaffung der Sklaverei in den Niederlanden im Jahr 1863 erinnert.  Zu sehen ist ein Mensch, der sich gleich einem Tänzer in mehreren Schritten von den Ketten der Sklaverei befreit. Alex da Silva, der niederländische Künstler der das Monument schuf, hat seine Wurzeln auf den Kapverdischen Inseln. Die Inselgruppe vor der westafrikanischen Küste war ein wichtiger Umschlagsplatz für den transatlantischen Sklavenhandel. Alex da Silva selbst ist Nachfahre von Menschen, die Sklaverei erleiden mussten und das Monument ist somit auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte.

Der Bibeltext für den heutigen Sonntag steht im 1. Petrus 2, 21-25. Auch in diesem geht es um Sklaverei. Der Verfasser richtet sich in dem Abschnitt an diejenigen Gläubigen in den ersten christlichen Gemeinden, welche Sklaven und unfreie Hausangestellte waren.  Er ermahnt sie, sich ihren Herren unterzuordnen, auch jenen, die nicht freundlich und gütig sind, sondern „wunderlich“, „schräg“, „unberechenbar“. Im Leid der Sklaven erblickt er eine Verbindung zum Leiden Jesu. Im Ertragen des Leidens treten die Sklaven in seine Fußstapfen und werden seine Nachfolger. „Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie die irrenden Schafe; aber nun bekehrt zu dem Bischof und Hirten eurer Seelen“ schreibt der Verfasser des Briefes. 

In Anbetracht der Geschichte der Sklaverei und des millionenfachen Unrechts und Leids, welches durch diese Menschen angetan wurde, ist dies ein tonnenschwerer ja schon problematisch zu nennender Text! Es sind Worte, die ich mit dem Wissen von heute so nicht einfach als frohe Botschaft weitersagen kann. Er verlangt nach Erklärungen und Einordnung. Das will ich im Folgenden einmal versuchen…

Der Text wurde in einer Zeit geschrieben in der Sklaverei weit verbreitet war. Das Vorhandensein von Sklaven war in der antiken Gesellschaft selbstverständlich. Zu Sklaven wurden Menschen, wenn sie in Kriegsgefangenschaft gerieten oder wenn sie ihre Schulden nicht zurückbezahlen konnten.  Was es in der damaligen Gesellschaft nicht gab, war ein Zusammenhang von  Sklaverei und Hautfarbe. Mit der rassistisch begründeten massenhaften Versklavung von afrikanischen Menschen begannen Europäer erst in der Neuzeit. In den neuen Kolonien wurden billige Arbeitskräfte benötigt. Um die Ausbeutung  und Versklavung von afrikanischen Menschen zu begründen, setzte man die Idee der Existenz einer minderwertigen Rasse in die Welt, die leider bis heute Anhänger findet. Der Verfasser des Predigttextes verbindet Sklaverei nicht mit Hautfarbe und Herkunft. Zu seiner Zeit kann prinzipiell jeder im Laufe seines Lebens, seine Freiheit verlieren, aber er oder sie kann sie unter bestimmten Umständen auch wiedererlangen. Er kennt das Leid, welches mit der Sklaverei verbunden ist und spricht dieses auch an. Was er nicht vor Augen hat, ist der massenhafte systematisch organisierte Menschenhandel, an den wir denken müssen, wenn wir das Wort Sklaverei hören.

Der Text wurde in einer Zeit geschrieben in der die christliche Gemeinde eine kleine Minderheit in der Gesellschaft bildete. Die Gläubigen rechneten damit, dass Jesus Christus noch zu ihren Lebzeiten wiederkommen würde. Es galt sich darauf vor allem innerlich vorzubereiten. Da das bald kommende Gottes Reich sowieso die Welt aus den Angeln heben würde, betrachteten sie sich nicht als eine Kraft, die die weltliche gesellschaftliche Ordnung bestimmen sollte. Vor diesem Hintergrund nahmen sie die Einrichtung der Sklaverei hin und rieten denjenigen unter den Schwestern und Brüdern, die unfrei waren, durchzuhalten und nicht aufzubegehren gegen ihre Herren. In dem für sie wichtigsten und auch gestaltbaren Bereich des gemeinsamen Glaubenslebens machten sie zwischen Freien und Sklaven keinen Unterschied. Als im Glauben gleichberechtigte Schwestern und Brüder feierten die ersten Christinnen und Christen miteinander Abendmahl, die gemäß der weltlichen Ordnung in der Außenwelt einander Herren und Sklaven waren.

Festhalten kann man also: der Verfasser hatte eine kleine gesellschaftlich keinesfalls einflussreiche Gruppe von Menschen vor Augen und was er schrieb sollte diesen helfen, die Zeit bis zur Wiederkunft Jesu zu bestehen. Eine Gruppe, die in Anbetracht dieser Erwartung unter sich bereits wagte, etwas einzuüben, was in der Gesellschaft damals nicht üblich war: nämlich sich als Gleichberechtigte vor Gott zu betrachten. „Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Knecht noch Freier, da ist weder Mann noch Frau; denn ihr seid alle einer in Christus Jesus.“ schrieb Apostel Paulus im Brief an die Galater.

 

Die Situation änderte sich dagegen vollkommen als das Christentum sich weiter ausbreitete und nach und nach auch in der Position war, die Gesellschaft zu prägen. Betrachtet man den weiteren Verlauf der Geschichte so können wir feststellen, dass sehr gegensätzliche Einstellungen zur Sklaverei in der Kirche und unter Christinnen und Christen anzutreffen waren. Es gab sowohl Befürworter als auch entschiedene Gegner der Sklaverei. Es gab kirchliche Vertreter, die die unheilvolle Legende in die Welt setzten, alle dunkelhäutigen Menschen wären die Nachfahren von Ham, dem zweiten Sohn Noah, und würden unter einem Fluch stehen, der sie für immer zu Sklaven verdammte. Und es wurde eben auch auf den heutigen Predigttext verwiesen, der den Sklaven rät, sich ihren Herren unterzuordnen. Was einmal als Überlebensregel auf Zeit gedacht war, wurde nun zur gottgewollten Ordnung stilisiert. Die biblische Botschaft wurde verdreht, wenn diejenigen, die anderen Leiden zufügten oder die Macht hatten dieses zu beenden, den gequälten Menschen predigten ihr Leiden wäre Bestandteil der Nachfolge Jesu. Heute blicken wir mit Schmerz und Scham auf dieses Kapitel der Geschichte. Wir dürfen uns aber auch erinnern an all jene Menschen, wie die Abolitionisten (engl.  abolition – deutsch: Abschaffung), Christinnen und Christen, die sich ab dem 18. Jahrhundert leidenschaftlich mit der Bibel in der Hand  für die Abschaffung der Sklaverei einsetzten und nicht müde wurden auf die Gottebenbildlichkeit aller Menschen hinzuweisen. Die Gleichberechtigung vor Gott sollte nun auch die menschliche Gesellschaft prägen. Bedeutsam im Kampf gegen Rassentrennung und Unrecht als Folgen der Sklaverei wurde im 20. Jahrhundert Martin Luther King, der eben auch Pastor und wortmächtiger Prediger und Ausleger der Bibel war.

Und heute? Auch wenn die Sklaverei offiziell nun seit mehr als 150 Jahren abgeschafft ist, ist sie in der Realität noch lange nicht überwunden. Weltweit sind schätzungsweise ca. 40 Millionen Menschen von modernen Formen der Sklaverei betroffen (Global Slavery Index 2016). Zur modernen Sklaverei zählt man Zwangsarbeit, Kinderarbeit, Zwangsprostitution und die Rekrutierung von Kindersoldaten. Deutschland ist zum einen Transit- und Zielland des Menschenhandelns - vor allem im Bereich der Zwangsprostitution - und ein Absatzmarkt von Waren, die unter sklavenähnlichen Bedingungen produziert wurden. Zum anderen ist Deutschland ein Land in dem Menschen Zuflucht finden, die Sklaverei und Ausbeutung erleiden mussten, die fliehen konnten und hier die Chance haben, zu heilen und sich ein neues Leben aufzubauen.

Das Monument für die Abschaffung der Sklaverei in Rotterdam trägt als Inschrift eine Zeile aus einem Volkslied der Kapverdischen Inseln: „Der Körper des Sklaven geht, eine freie Seele bleibt“.  Hört man den Berichten von Menschen zu, die Sklaverei, Ausbeutung und Abhängigkeit am eigenen Leib erfahren mussten, wird deutlich, wie schwer der Prozess der Befreiung, den das Monument zeigt, in der Realität ist. Ein Körper, der einmal Gewalt ausgesetzt war, wird lange  bis lebenslang diese Gewalt auch erinnern. Der „Sklavenkörper“ geht nicht einfach. Da sind Wunden und Narben, die bleiben und schmerzen – manchmal ein Leben lang. Auf der anderen Seite bezeugen alle Menschen, die es geschafft haben sich aus Abhängigkeiten und Gewaltverhältnissen zu befreien, dass es im Menschen etwas gibt, dass nicht aufgibt nach Freiheit und Selbstsein zu suchen. Es scheint etwas im Menschen zu geben, das kein Mensch dem anderen nehmen kann. Das mag verschüttet und vergraben sein, aber es ist da. Mit dem Predigttext gesprochen, glaube ich, dass da einer als „Bischof und Hirte“ die Seele des Menschen behütet und dass aus dieser immer wieder heileres freieres Leben entstehen kann. Ich denke, dass ist tröstlich zu glauben für uns alle! In diesem Sinne bleiben Sie behütet!

Ihre Birgit Dušková

Statt Gottesdienst

Die Unendlichkeit des Sternenhimmels
(Bild von Free-Photos auf Pixabay)

Liebe Gemeinde!

„Weißt du, wieviel Sternlein stehen…?“ Als unsere 3 Jungs noch klein waren, haben meine Frau und ich ihnen das oft zum Einschlafen vorgesungen. „Gott der Herr hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet.“ Und am Schluss: „… kennt auch dich und hat dich lieb“. Mit diesem Lied konnten sie gut einschlafen. Und heute singt mein ältester Sohn es seiner kleinen Tochter vor.
Die Kinder fühlen sich geborgen mit diesem Lied. Sie spüren die Liebe von Mutter oder Vater. Und sie hören, dass auch Gott sie liebt. Das gibt ihnen Sicherheit für die Nacht. „Urvertrauen“ nennen das die Psychologen. Ich würde es „Gottvertrauen“ nennen. Es ist gut, wenn Kinder so aufwachsen können. Da wird eine Grundlage gelegt für das ganze Leben. Die Psychologen sagen, wer ein gesundes Urvertrauen hat, den kann im Leben so schnell nichts erschüttern.
So hat das wohl auch Wilhelm Hey gesehen, der Pädagoge und Pfarrer, der das Lied im 19. Jahrhundert gedichtet hat.

Wilhelm Hey hat sich von einem Abschnitt aus der Bibel inspirieren lassen. Im Buch des Propheten Jesaja ist auch von den Sternen die Rede, die Gott mit Namen ruft, damit ihm nicht einer fehlt. Dort lesen wir:


Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.

Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: „Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber“?

Weißt du nicht? Hast du nicht gehört?

Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.

Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.

Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.(- Jesaja 40, 26 – 31)

Es war eine schwere Zeit für Jesaja und seine Landsleute. Ihre Heimat war vom Krieg zerstört, die Menschen ins Feindesland verschleppt. Das unfreiwillige Exil dauerte nun schon viele Jahre. Kein Wunder, dass die Leute mürbe werden. Kein Wunder, dass sie sagen: „Gott kümmert sich nicht mehr um uns. Verlierer wie wir sind ihm egal.“


Jesaja will den Verzagten Mut machen: „Gebt nicht auf! Gott steht auch jetzt zu euch. Habt Geduld! GOTT, der das All in seiner unendlichen Weite geschaffen hat, kennt jeden Stern. Er KANN euch helfen.  Und Er WIRD euch helfen.“

So, wie die Eltern ihren Kindern singen: „Kennt auch dich und hat dich lieb!“

 

Alles nur „Opium fürs Volk“? „Eiapopeia“ und „Heile-Welt-Gedusel“ für kleine Kinder?  -  Nein.

Ich bin sowieso davon überzeugt, dass man Kindern nichts vormachen soll. Sie haben feine Antennen und spüren es sehr wohl, wenn etwas nicht in Ordnung ist.
Und Erwachsene spüren das auch.

Probleme zu verharmlosen, schlechte Nachrichten als fake news zu bezeichnen, das macht die Dinge nur schlimmer. Wohin das führt, sehen wir in dieser Corona-Pandemie zum Beispiel in den USA oder in Großbritannien, wo man es zu lange mit Verharmlosen probiert hat.

Jesaja verharmlost nichts. Er weiß, wie die Leute reden: „Gott hat mich verlassen“, zitiert er seine Landsleute, „er hat uns vergessen“ (Jes 49, 14).

Vielen geht es heute auch so.

Alte Menschen, die abgeschnitten sind von ihrer Familie, die sie so dringend bräuchten. Junge, die leben möchten in diesen Frühlingstagen und leben müssen wie Gefangene.

Und wie sieht es erst in anderen Ländern aus, wo die Versorgung nicht so gut klappt wie bei uns! Oder in den Flüchtlingslagern! „Um uns kümmert sich niemand, kein Mensch und kein Gott“. Wen wundert es, wenn sie so reden und verzweifeln. Und in ihrer Verzweiflung verzweifelte Dinge tun.

Was Jesaja uns rät, das klingt nur auf den ersten Blick betulich und hausbacken: „Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler.“ Mir gefällt diese altertümliche Formulierung aus der Luther-Bibel – vor allem das Wort „harren“.

Harren: Das heißt warten, heißt Geduld haben. Also nicht: alles hinschmeißen und weglaufen, wenn mir alles zu viel geworden ist. Nicht: Sich besinnungslos ins Leben stürzen, weil die Situation scheinbar nur so auszuhalten ist. Auch nicht die Augen schließen und schlafen, nichts mehr mitkriegen und wie betäubt aufgeben. Auch nicht so tun, als ob nichts wäre.
Jesaja rät: die Müdigkeit ruhig zulassen, warten, Pause machen, weil ich nicht mehr kann. Zugeben, dass ich nicht mehr kann. Aber darin sich nicht aufgeben, sondern wissen: Es wird anders werden. Das steckt für mich in diesem altmodischen Wort „harren“.

Harren heißt in der Erwartung leben, dass etwas Neues, etwas anderes kommt. Harren heißt, mit Gott rechnen. Harren heißt, auf Gott vertrauen. Damit rechnen, dass Gott einen neuen Anfang und neue Kraft geben wird.

Es lebt sich anders mit dieser Hoffnung: Das Leben ist nicht vorbei. Es braucht nur eine Pause.

Ich glaube: Viel von der verheißenen neuen Kraft kommt allein schon daher, dass ich begreife: Ich schaffe es nicht aus eigener Kraft – und das ist gar nicht schlimm. Ich kann das ruhig zugeben. Ich kann ruhig zugeben, dass ich auf Hilfe angewiesen bin – auf Hilfe von Gott und auf Menschen, die mir helfen. Das ist keine Schande. Angewiesensein ist eine Grundform menschlicher Existenz.

Ich darf ruhig sagen, ich schaffe das nicht alleine, nicht meinen Dienst, nicht die Betreuung der Kinder, wenn sie, wie jetzt, immerzu zu Hause sein müssen. Ich schaffe nicht die doppelte Arbeit im Büro, weil Kollegen krank geworden sind. Ich werde allein nicht mehr fertig mit meinem Kummer, ich weiß nicht weiter mit meinem Leben. Ich schaffe das nicht. – Ich bin angewiesen auf Hilfe. Gott, steh mir bei. Schick mir Hilfe. Vor Gott darf ich das ruhig sagen. Deswegen bin ich noch lange kein Versager.


Wenn man sich das traut, dann kann man eine neue und befreiende Erfahrung machen. Man kann entdecken, wie viel Hilfe es gibt und wie viele Helfer. Manches Mut-machende Wort hätte ich nicht gehört, manche Hilfe wäre nie eingetroffen, wenn nicht jemand gemerkt hätte: Der ist angewiesen auf mich. Eingestehen, dass ich angewiesen bin – das macht stark: weil man Menschen findet, die einem beistehen. Zugeben, dass ich angewiesen bin: Das verbindet stärker als vieles andere. Und gemeinsam sind Menschen immer stärker als einer allein. Die auf Gott harren, weil sie begriffen haben, dass sie angewiesen sind, die kriegen neue Kraft.


„Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft.“ Die Pause machen, wenn sie müde geworden sind und auf GOTT vertrauen, die kriegen neue Kraft.

Wenn ein erster Schritt nötig ist, dann fragen sie nicht länger: Warum denn ich, sondern sagen: Warum nicht ich? Und wenn sie es allein nicht schaffen, dann sagen sie: Es ist nötig, dass wir da etwas tun. Allein schaffe ich das nicht. Aber zusammen könnte es gehen. Dann werden sie Hilfe finden. Dann wachsen Kräfte, die keiner erahnt hat.
Ich verlasse mich darauf: Gott gibt uns seinen Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit, wenn wir auf ihn harren. Denn er kennt uns und unsere Ratlosigkeit.

Und er hat uns lieb.

Amen.

Ihr Thomas-Christian Schröder

Statt Gottesdienst am Ostermontag

„Nun aber“, so schreibt der Apostel Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth, „ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.“ (- 1. Kor 15, 20).

Das Sicherste im Leben sei der Tod, so hört man es oft. Und solange alles so bleibt, wie wir es kennen, solange in der Welt alles beim Alten bleibt, bleibt auch der Tod das unwiderrufliche Ende des Lebens.

„Nun aber ist Christus auferstanden.“ Ostern ist im Grunde eine Befreiung. So, als ob die Tür eines Kerkers aufgerissen würde: Licht fällt in den finsteren Raum. Und der frische Wind, der hereinweht, schmeckt nach Freiheit, nach Weite, nach Aufbruch und nach Leben.

Bisher waren alle Menschen, unter das Verhängnis des Todes versklavt. Aber nun hat der Tod seine unheimliche Macht verloren, denn Christus ist auferstanden.

Schon sein Leben war ein einziger Aufstand gegen den Tod. Bei ihm war Liebe nicht nur ein Wort. Er schenkte Armen, Elenden, und Verachteten und Ausgestoßenen seine Nähe. Er heilte Leben, das in Scherben gegangen war. Er trieb die Mächte aus, die Menschen zerstören.

Mit seinem Kreuzestod schien das alles null und nichtig, aus und vorbei zu sein. Aber merkwürdig: seit Ostern ist sein Tod noch ermutigender als es sein Leben in Galiläa und Jerusalem je gewesen war.

Es ist wie auf diesem Bild: Die Botschaft von der Auferstehung, sie ist wie ein helles Licht, das schon jetzt durch den Spalt hereinbricht in unsere dunkle enge Welt. Noch sind wir innerhalb des Tores, in einem dunklen, bestenfalls von Dämmerlicht erhellten Raum. Aber das Licht, das zu uns hereinfällt, lässt die neue lichte Welt dahinter schon ahnen. Es regt sich was im Herzen.

Die Botschaft von der Auferstehung macht es möglich, auch aufzuerstehen - schon hier und jetzt – mitten im Leben – aus unseren Ängsten - aus unserer Lethargie – aus allem, was uns gefangen hält – auferstehen zu neuem Lebens-mut und zu neuer Hoffnung.

Mit der Sonne des Ostermorgens ging es den Frauen am Grabe auf, und es dämmerte den verstörten Jüngern: Gott hat Jesus im Tod nicht alleingelassen. Gott selber ist mit ihm in den Tod gegangen. Aber, wo Gott ist, da kann der Tod nicht bleiben! Die Lebendigkeit Gottes hat die Pforten des Totenreiches gesprengt. – Und das Leben flutet hindurch; es bricht sich Bahn!

Ostern ist wie eine geöffnete Tür, durch die das Licht aus einer anderen Welt in unser Leben fällt. Noch sehen wir nicht, was dahinter ist. Wir können es bestenfalls ahnen.

Aber es macht schon jetzt etwas mit uns. Veränderung liegt in der Luft, neue Hoffnung, Erwartung. Das Herz schlägt schneller.

„Nun aber... Nun aber ist Christus auferstanden!“ Das klingt trotzig und irgendwie auch triumphierend: „Ätsch!“ Der Knochenmann ist entmachtet! Der Mensch ist zum Leben da! Wir dürfen und wir können teilhaben an der Lebendigkeit Gottes.

Das Belastende und Irritierende, das wir um uns herum wahrnehmen, bleibt eine Herausforderung – aber es ist nicht alles! Corona ist nicht alles. Die Angst vor der Infektion und die Angst um die wirtschaftliche Existenz, sie sind nicht alles.

Udo Lindenberg hat es in seiner „flapsigen“ Art einmal so ausgedrückt: „Hinterm Horizont geht´s weiter, immer weiter …“.

Und er hat Recht: Ostern ist das entscheidende Datum, das unseren Horizont weitet und das uns Luft gibt zum Atmen.

Denn, verbunden mit Christus, kann uns nichts mehr scheiden von der Liebe Gottes. Und diese Liebe findet sich mit dem Tod nicht ab. Darum gibt es für Paulus auch gar keinen Zweifel: Der Tod führt sich zwar heute noch auf, als sei er der Herr der Welt, aber in Wahrheit ist er schon eine gebrochene Gestalt. Seinen Stachel hat er lassen müssen. Zu Ostern feiern wir den Anfang von seinem Ende.

Aber ist das alles nicht ein bisschen zu rosarot?

Mir kommt Willi in den Sinn. Er gehörte zur dritten Klasse; er war wie die anderen auch, nur mit einem Unterschied: er hatte einen Gehirntumor. Er wurde bestrahlt, und es ging ihm elend. Die Kinder seiner Klasse bekamen es mit. Sie hielten zu ihm und lachten manches auch weg mit ihrer Lebensfreude.

Und doch war die Krankheit stärker. Willi starb. Die Kinder wollten ihn auch bei der Trauerfeier begleiten. Doch die Eltern waren dagegen. Sie wollten die Kinder schützen und schützten aber wohl nur sich selbst. Die Kinder setzten sich gegen ihre Eltern durch. Sie gingen zu Willis Beerdigung. Alle malten sie ein Bild und banden sie alle zusammen zu einem Bilderbuch.

Einer hat Willi in Gott hinein gemalt, der dick ist und rund und für vieles Platz hat. Platz fanden die Kinder auch für ein Zebra. Damit die Tiere nicht vergessen werden. Willi hat gerne mit Tieren gespielt.

In den Bildern ist alles in Gott versammelt und geborgen in ihm.

„Tschüß“ haben sie noch auf ein Bild geschrieben und „Bis bald“.

Gängige Wünsche aus dem Schulalltag. „Tschüß, Willi. Bis bald.“ -

Gott ist ganz nah – bei dir, Willi – und bei uns!

Osterbotschaft pur.

Kinder können so stark sein. Sie machen es uns vor, wie man leben kann, auch wenn der Tod noch immer zu unserer Erfahrungswelt gehört.

Sie machen es uns vor, wie wir uns an diesem Leben freuen können, auch wenn wir Menschen, die wir liebgehabt haben, gehen lassen müssen.

Sie machen es uns vor, wie wir uns geborgen fühlen können, auch wenn wir selber einmal gehen müssen.

Sie lassen uns staunend miterleben, wieviel Leben wir in unsere Welt hinein bringen können durch kleine Gesten der Liebe und der Verbundenheit.

Und überall, wo das geschieht, da ist Auferstehung – da ist Ostern.

In diesem Sinne: Ihnen allen frohe und gesegnete Ostern!

Bleiben Sie behütet! Möge Gottes Segen Sie begleiten!

Ihr Thomas-Christian Schröder



Statt Familiengottesdienst

 

 

 

 

Erleben Sie mit Ihren Kindern einen kleinen Familiengottesdienst mit Pastorin Schinkel.

Hier geht es zum Video!

 

 

 

Statt Gottesdienst am Ostersonntag

 

 

 

Freuen Sie sich Sie sich auf einen gemeinsamen Ostervideogruß der Kirchengemeinden aus der Region Elbmarschen.

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Statt Osternacht

 

 

 

Andacht zur Osternacht mit Pastor Schröder

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Statt Gottesdienst

 

 

Andacht zum Karfreitag mit Pastorin Gabi Schinkel

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Statt Gottesdienst am 05. April 2020

Liebe Gemeinde.

Wie soll ich mich verhalten? Worauf kommt es jetzt an?

Es gibt wohl kaum jemanden, der sich diese Fragen in den letzten Wochen nicht gestellt hat.

Aufgrund der Corona-Pandemie befinden wir uns in einer außergewöhnlichen, zu unseren Lebzeiten noch nie dagewesen Situation der Ausnahme. Etwas Bedrohliches kommt da auf uns zu, das uns zum Teil ratlos und ohnmächtig macht. Was tun?

Dass Menschen in so einer Situation erst einmal Nudeln und Toilettenpapier kaufen gehen, wundert mich nicht: man reagiert, man tut etwas, man handelt erst einmal drauf los. Ich kann das gut nachvollziehen. Langsam sind wir aus dieser Phase nun heraus und die Regale füllen sich wieder.

Wir fragen uns nun ernstlich: was macht nun in dieser Situation wirklich Sinn? Welche alten Regeln gelten in dieser Situation und wo müssen wir ganz neue Wege einschlagen?

In der biblischen Geschichte für den heutigen Sonntag Palmarum geht es um eine ganz ähnliche Frage.

Die Geschichte erzählt wie Jesus mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem in einem kleinen Ort namens Bethanien im Haus von Freunden zu Gast ist. Tod und Abschied werfen bereits einen Schatten auf die versammelte Gemeinschaft. Da betritt eine wohlhabende Frau den Raum und salbt den Kopf Jesu mit einem kostbaren Öl. Daraufhin entzündet sich zwischen den Jüngern und Jesu ein Streit. Die Jünger sind entsetzt: Was tut die Frau? Was soll diese Verschwendung? Man hätte das Öl ganz im Sinne des Gebotes der Nächstenliebe verkaufen sollen und den Erlös den Armen geben sollen. Doch Jesus verteidigt die reiche Frau und sagt: „Lasst sie! Was bekümmert ihr sie. Sie hat ein gutes Werk getan. Die Armen habt ihr allezeit bei Euch, wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun, mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte und hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis.“

Die Jünger wollen das, was ihnen vertraut ist: das Öl verkaufen und das Geld den Armen geben. Jesus verteidigt das Tun der Frau. Sie hat den Moment erfasst und das richtige getan. In Liebe, in Zuneigung einfach etwas verschwendet. Wird Jesus auf einmal egoistisch? Schaut man sich andere Geschichten in der Bibel an, so fällt auf, dass die Reaktion Jesu gut zu dem passt, was er auch sonst lebte und weitergab. Immer wieder bricht er Regeln und zieht dadurch auch Zorn auf sich. Doch tut er es nicht, weil er die Gebote und Regeln nicht achtet, sondern im Gegenteil, damit ihr tiefer liegender Sinn wieder zum Vorschein treten kann. Gott gab dem Menschen Gebote, damit sie dem Leben dienen. Werden die Regeln aber mit Härte und Gesetzlichkeit befolgt, verlieren sie die Kraft das Leben zu fördern. Sie fangen an die Lebendigkeit, die sie eigentlich ermöglichen sollen, zu ersticken.

Typisch für Jesus ist es, dass er den Menschen in der Umsetzung der Gebote in den konkreten Situationen sehr viel Freiheit zumutet.

Ich bin in der gegenwärtigen Situation froh, dass wir trotz der ungewöhnlichen Regeln, die unser Leben gerade prägen, es auch in unserer Gesellschaft immer noch auf diese Freiheit ankommt. Ich lebe in einem Land in dem Menschen sich frei informieren können und selbst denken können.

Ein Großteil der Menschen hält sich freiwillig und nicht aufgrund von Strafandrohung an die Abstandsregel, weil sie selbst davon überzeugt sind, dass sie dem Leben dient.

Ich hoffe, dass dieser Geist unter uns erhalten bleibt und in diesem Ausnahmezustand eigene Meinungsbildung, Überzeugung und Freiwilligkeit sich als stärker erweisen als Gesetze, Zwang und Kontrolle.

Wie die Szene in Bethanien von dem nahenden Tod Jesu überschattet wird, so ist auch unser derzeitiges Leben überschattet von der Bedrohung durch einen tödlichen Virus.

Menschen, die mit der Nähe des Todes in ihrem Leben schon einmal konfrontiert waren, sei es durch eine schwere Krankheit oder durch den Verlust eines Angehörigen, berichten oft, dass sie das Leben in einem anderen Lichte sehen als vor dieser Erfahrung. Die Endlichkeit dieses Lebens vor Augen, wagen Menschen auf einmal aus dem Hamsterrad auszusteigen, dass das Leben ansonsten schnell an uns vorüberrauschen lässt.

Worauf kommt es wirklich an? Was hat Bestand und was erfüllt mich wirklich? Auf diese Frage gibt es keine fertigen Antworten. Eine mögliche Antwort ist: die Beziehungen zu anderen Menschen sind das, worauf es ankommt. Und das Wertvollste unserer Tage ist nicht ein teures Öl, Parfum oder anderes Pflegeprodukt, sondern Zeit! Nicht wenige haben diese Zeit gerade. Sie ist auf einmal da. Wir können sie nutzen einander wahrzunehmen, auszuhalten, gern zu haben. Das geht auch am Telefon!

Wenn ich als Pastorin gefragt werde, wo Gott in so einer Situation der Bedrohung denn nun sei, dann ist meine einzige Antwort darauf: ich glaube dass er da zu finden ist, wo Menschen auch im Anbetracht einer Bedrohung sich aufmachen dem Leben Sinn zu geben. Dass er anwesend ist in unserer Phantasie, das Leben auch unter diesen Bedingungen zu gestalten. Dass er anwesend ist in der Liebe, die wir uns - auch durch unsere Konflikte hindurch - einander zeigen. Amen.

Ihre Birgit Dušková

NEUER GEMEINDEBRIEF

 

NEUER GEMEINDEBRIEF

Unsere Antwort auf die Corona-Krise ist: Mehr gemeinsam und mehr für die Menschen. Das greifbare Ergebnis ist ein neuer Gemeindebrief - entworfen von 9 Gemeinden von Borsfleth bis Horst. Das gab es noch nie. Texte für die Osterzeit, gemeinsame Aktionen und viele Informationen aus unseren Gemeinden und von unseren Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern. 6500 Exemplare. Besonders für die, die nicht im Internet unterwegs sein können.

Dieser Gemeindebrief wird ab Mittwochnachmittag auch nicht-virtuell verteilt werden: In Glückstadt ist er in Boxen vor der Kirche und vor der Kita Nordlichter erhältlich, bei den beiden Edeka-Märkten, im Kasten vor der Tourismus-Info und bei der Bücherstube. Und vielleicht fallen uns noch andere Orte ein...

Unsere Bitte: Bringen Sie den Gemeindebrief auch denen, die gerade nicht raus dürfen und/oder kein Internet haben.

Bleiben Sie gesund und behütet
ich wünsche Ihnen eine gesegnete Karwoche
Ihr
Stefan Egenberger

 

Statt Gottesdienst

Der Engel Gottes

 

Der Engel Gottes lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus. (Psalm 34,8)

Einige von Ihnen wissen es ja bereits: Ich sammle Geschichten. Sie werden mir erzählt, ich finde sie im Internet und in alten Büchern. Aber genau so gerne sammle ich auch geistliche Texte, Gebete und Gedichte. Als Vorrat für schlechte Zeiten. Und das Schöne ist, dass ich sie nicht hamstern muss, dass ich sie weiter verschenken kann. Sie gehen mir nicht aus und können viele reich machen. Heute ist es eine Meditation zu Psalm 34,8. Sie wurde von einer Kollegin verfasst, von Doris Joachim, die als Referentin für Gottesdienst im Zentrum Verkündigung in Frankfurt tätig ist.

 

Engel.
Sie lagern um uns herum.
Sie breiten ihre Flügel aus oder ihre Arme – je nach dem.
Sie schützen nicht vor dem Virus.
Aber vor der Angst.
Das können sie:
Uns die Angst nehmen.
Und die Panik vor dem, was uns beunruhigt.
Engel wiegen uns nicht in falscher Sicherheit.
Aber sie können die verängstigte Seele wiegen.
In ihren Armen oder Flügeln – je nach dem.

Gebet

Jetzt, mein Gott, täten Engel gut.
An unserer Seite und um uns herum.
Denn wir brauchen Mut.
Und Phantasie.
Und Zuversicht.
Darum: Sende deine Engel.

Zu den Kranken vor allem.

Stille

Und zu den Besorgten.

Stille

Sende deine Engel zu denen, die anderen zu Engeln werden:
Ärztinnen und Pfleger,
Rettungskräfte und Arzthelferinnen,
alle, die nicht müde werden, anderen beizustehen.

Stille

Sende deine Engel zu den Verantwortlichen
in Gesundheitsämtern und Einrichtungen,
in Politik und Wirtschaft.

Stille

Und zu den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern
auf der Suche nach Heilmitteln und Impfstoffen.

Stille

Sende deine Engel auch zu denen,
an die kaum jemand denkt – jetzt in der Zeit der Epidemie:
Die Menschen auf der Straße,
die Armen,
die Geflüchteten in den Lagern in Griechenland
und im türkisch-griechischen Grenzgebiet.

Stille

Jetzt, mein Gott, tun uns die Engel gut.
Du hast sie schon geschickt.
Sie sind ja da, um uns herum.
Hilf uns zu sehen, was trägt.
Was uns am Boden hält und mit dem Himmel verbindet,
mit dir, mein Gott.
Denn das ist’s, was hilft und tröstet.
Jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Es grüßt Sie und Euch herzlich
Gabi Schinkel

 

 

Licht der Hoffnung

Eine Kerze als Hoffnungslicht ins Fenster zu stellen, hat in vielen Regionen dieser Welt eine lange Tradition, in Schweden z.B.!

Als es noch keinen Strom gab, war dieses Fensterlicht dort nicht nur Schmuck in der dunklen Jahreszeit, sondern ein wichtiges Zeichen für Menschen, die unterwegs sein mussten. Es bot Orientierung, konnte in rabenschwarzer Nacht schon aus weiter Ferne gesehen werden. Es leuchtete heim und signalisierte Willkommen.

Solche Lichter wurden entzündet für Seeleute, die auf den Meeren vielen Gefahren trotzen mussten, für Bergmänner und Soldaten, die nach dem 2. Weltkrieg vermisst wurden oder noch in Kriegsgefangenschaft waren. Sie brannten in Zeiten der Teilung Deutschlands für die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung der getrennten Familien.

Aus dieser Tradition heraus wurde eine Idee geboren, die jetzt durch unser Land und viele Kirchengemeinden zieht. Und der wir uns auch in Glückstadt anschließen wollen. Im Vertrauen auf die Zusage eines Psalmwortes:

„Gott ist denen nahe, die zu ihm beten und es ehrlich meinen. Er erfüllt die Bitten der Menschen, die voll Ehrfurcht zu ihm kommen. Er hört ihren Hilfeschrei und rettet sie.” ( Psalm 146)

Wir werden täglich um 18 Uhr die Glocken unserer Stadtkirche läuten. Und laden Sie ein, zu unserem Läuten eine Kerze zu entzünden und ans Fenster zu stellen. Damit es hinausscheint als Licht der Hoffnung für die Menschen in unserer Umgebung.

Zum Klang der Glocken beten wir in ökumenischer Gemeinschaft für unsere Stadt, unser Land und die Welt. Wir bitten Gott darum, seine Menschen in diesen beängstigenden Zeiten zu begleiten. Jeder Haushalt für sich. Wir halten uns voneinander fern und sind doch füreinander da. Beim gemeinsamen Vater Unser wissen wir uns mit allen verbunden und von Gott gehalten.

Und wenn Sie mögen, können Sie uns auch gerne ein Bild Ihrer brennenden Kerze zukommen lassen, auf unserer Facebookseite, als Anhang einer Mail, als Ausdruck per Post.

Auch wenn Sie sich nicht als religiösen Menschen verstehen oder sich einer anderen Weltanschauung als der christlichen verbunden fühlen, so können Sie mit dem Fensterlicht ein Zeichen des Mitgefühls und  des Dankes aussenden. So möchte ich unsere Kerzen auch verstehen, nämlich als Dank an alle, die jetzt unsere Gesellschaft am Laufen halten.

Stellvertretend für viele geht unser Dank an die,

die sich in den Krankenhäusern, Pflegeheimen und der ambulanten Versorgung um unsere Erkrankten und Hilfebedürftigen kümmern, die als Polizistinnen und Polizisten, bei der Feuerwehr und in den Rettungsdiensten für unsere Sicherheit einstehen, die in Lebensmittelgeschäften, Apotheken und im Logistikbereich für unsere Versorgung arbeiten und die Lieferketten nicht abreißen lassen, die sich dafür einsetzen, dass wir weiterhin Strom und Wasser zur Verfügung haben, dass unser Müll abgeholt wird und wir unseren Arbeitsplatz erreichen können,die sich jetzt ehrenamtlich dafür stark machen, dass diejenigen, die zuhause bleiben müssen, versorgt sind.

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Manche unter uns bangen um ihre wirtschaftliche Existenz. Andere warten noch auf Angehörige, die im Ausland festsitzen. Einige wurden positiv auf das Coronavirus getestet und verbringen nun ihren Alltag in häuslicher Quarantäne. Wir sorgen uns um unsere Eltern und Großeltern. Oder haben schon erfahren müssen, dass Menschen, die wir kennen und lieben, an den Folgen des Virus schwer erkrankt oder gar verstorben sind.

Diese Zeiten verlangen uns viel ab - deshalb brauchen wir Zeichen der Hoffnung. Lasst Sie uns in Gottes Namen aussenden.

Es grüßt Sie und Euch alle im Namen des gesamten PastorInnenteams - Gabriele Schinkel

 

 

Gute Worte für schlechte Zeiten

Was können wir tun gegen das Virus? Eine Menge!

Wir können die Vorgaben der Fachleute befolgen und zu Hause bleiben.

Aber wir sind nicht allein, und wir lassen niemanden allein!

In Gedanken und im Gebet bleiben wir einander verbunden.

Wir können uns gegenseitig bestärken und uns Mut machen durch die Gewissheit, dass wir zusammengehören.

Gute Worte, die uns daran erinnern, dass Gott auch in dieser Zeit bei uns ist, können uns darin bestärken.

Darum hängen seit heute an der Tür der Stadtkirche kleine bunte Papierrollen mit kurzen Texten, Gebeten und Gedanken.

Nehmen Sie sich gerne ein Wort mit! Und teilen Sie es mit Ihren Lieben!

Oder sagen Sie es am Telefon weiter!

Vielleicht wartet in Ihrer Nähe ja jemand darauf.

Und vor allem: Bleiben Sie behütet!

Ihr Pastor Christian Schröder

 

 

Statt Marktandacht

 

 

 

 

Statt Marktandacht (17. März 2020)

Gerade ist Halbzeit bei der Fastenaktion der Kirche „7 Wochen ohne Pessimismus“.

Das sagt sich so leicht, angesichts der aktuellen Lage. Die einen hamstern Nudeln und Toilettenpapier. Die anderen machen sich darüber lustig. Noch.

Aber viele Menschen beschleicht in diesen Tagen ein mulmiges Gefühl. Da ist dieses Virus, das man nicht sehen kann. Trotzdem scheint es uns immer einen Schritt voraus zu sein. Es hat schon so viel verändert! Im Internet kursieren die wildesten Gerüchte.

Was kann man tun in dieser Zeit? Ich glaube, den Verantwortlichen in Medizin und Politik kann man nur wünschen, dass sie besonnen und nach kluger Überlegung handeln - und das mit der nötigen Tatkraft.

Und man wünscht ihnen auch gute Nerven, angesichts der emotional hoch aufgeladenen Situation.

Aber sind das alles nicht auch Dinge, die wir selber brauchen?

Brauchen wir nicht eine gute Portion Besonnenheit, um nicht in Panik zu verfallen und damit unsere Nächsten nur noch mehr zu belasten? Brauchen wir nicht Kraft, um das alles durchzustehen? 

Und nicht zuletzt:

Brauchen wir nicht auch ein gutes Quantum Liebe, um nicht in wüsten Egoismus zu verfallen und beispielsweise die Läden leerzukaufen? - Da, wo es wirklich gebraucht wird, in den Kliniken und bei den pflegerischen Diensten, herrscht zum Teil Knappheit, weil einigen Zeitgenossen ihr eigenes Wohl wichtiger war, als das aller anderen. -

Angst ist nun mal ein schlechter Ratgeber. - Ist zwar eine Binsenweisheit, stimmt aber trotzdem. 

Und so schlecht stehen die Chancen nicht.

Mir kommt eine kleine Geschichte von Rudolf Otto Wiemer in den Sinn, die mir Mut macht.

Unter der Überschrift „Die Chance der Bärenraupe, über die Straße zu kommen“ erzählt sie von einer kleinen Raupe, die mit bemerkenswerter Beharrlichkeit und Sturheit ihren Weg geht.  

Keine Chance. Sechs Meter Asphalt.
Zwanzig Autos in einer Minute.
Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk.

Die Bärenraupe weiß nichts von Autos.
Sie weiß nicht, wie breit der Asphalt ist.
Weiß nichts von Fußgängern, Radfahrern, Mopeds.

Die Bärenraupe weiß nur, dass jenseits
Grün wächst. Herrliches Grün, vermutlich fressbar.
Sie hat Lust auf Grün. Man müsste hinüber.

Keine Chance. Sechs Meter Asphalt.
Sie geht los. Geht los auf Stummelfüßen.
Zwanzig Autos in einer Minute.

Geht los ohne Hast. Ohne Furcht. Ohne Taktik.
Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk.
Geht los und geht und geht und geht  - und kommt an.

Die kleine Raupe schafft etwas eigentlich Unmögliches. Eine Raupe auf einer viel befahrenen Straße, das kann nicht gut gehen.

Sie ist klein, sie ist verletzlich. Sie ist schwach. Sie wird übersehen. Und was da auf der Straße heranrollt, das geht weit über ihren Vorstellungshorizont hinaus; da wirken Kräfte, von denen sie keine Ahnung hat.

Geht es trotzdem gut, weil die Raupe an keine Gefahr denkt? Geht es gut, weil sie einfach nur Glück hat? Manchmal gewinnt ja auch jemand im Lotto. Manchmal sogar den Jackpot. Ist sie also einfach mit der Statistik durchgerutscht?

Oder kommt sie vielleicht an, weil sie einen guten Schutzengel hat? Keine Ahnung.

Mir kommt noch ein Text in den Sinn:

„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“, heißt es im Zweiten Korintherbrief. (2. Kor 12,9 ) 

Ein Allheilmittel oder eine Lebensversicherung ist das nicht.

Aber eine Ermutigung! Und mehr als das:

In wenigen Wochen ist Ostern, das Fest der Auferstehung. Das Fest des Lebens. – Es erinnert daran, dass viel mehr möglich ist, als wir uns jetzt zutrauen.

Haben wir Vertrauen! Wir können es schaffen!

Denn: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“

Bleiben Sie behütet! Auch vor Pessimismus! Und kommen Sie an!

Ihr Pastor Christian Schröder

 

 

Statt Gottesdienst - Der Glaube in Zeiten von Corona (15. März 2020)

Viel zu oft habe ich in den letzten Tagen die neuesten Nachrichten über das Corona-Virus auf meinem Smartphone gelesen. Fast stündlich veränderte und verschlimmerte sich die Situation. Was gestern noch galt, ist heute schon wieder hinfällig.
Ich lese von Hamsterkäufen und Einbrüchen in Arztpraxen, um Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel zu stehlen. Die dann zu Wucherpreisen im Internet angeboten werden. Börsencrash und Wirtschaftskrise, Grenzschließungen, Engpässe bei Medikamenten, Geisterspiele und Konzerte ohne Publikum, Besuchsverbote im Krankenhaus, noch mehr Infizierte, noch mehr Tote: Was kommt als nächstes?
Reicht es, wenn ich meine Hände nur mit Seife oder Spülmittel wasche? Habe ich nur eine Erkältung oder doch schon Covid 19? Welchen z.T. auch selbst ernannten Experten kann ich trauen? Und welche Ratschläge sind einfach falsch?
Und dann ertappe ich mich doch dabei, zur Sicherheit das Sparpack Toilettenpapier in den Einkaufswagen zu legen. Ich bin wohl schon infiziert - mit Sorgen und Ängsten.
In solchen Momenten versuche ich, innezuhalten und wieder zur Besinnung zu kommen. So wie es Martin Luther geraten haben soll:
„Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über deinem Haupt fliegen, kannst du nicht ändern. Aber dass sie Nester in deinem Haar bauen, das kannst du verhindern.“
Gefunden habe ich dieses Wort in dem Kalender, der die diesjährige Fastenaktion der evangelischen Kirche begleitet: Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus. Er steht auf meinem Schreibtisch. Das Motto wurde bestimmt, als noch niemand etwas von Corona und seinen Folgen ahnte. Und doch ist es wie für diese Zeit gemacht. Nicht um unsere berechtigten Sorgen und Ängste klein zu reden. Sondern an das Prinzip Hoffnung zu erinnern, dass gerade in der Geschichte von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu aufscheint.
Wir wissen noch nicht, was alles auf uns zukommen wird, welche Einschränkungen und Abschiede uns vielleicht noch bevorstehen. Nein, es ist längst nicht ausgemacht, dass alles gut wird. Aber Gott ist immer an unserer Seite, wenn es eng wird. Und lehrt uns zu hoffen und zu beten, dass es weitergeht. Diese Hoffnung ist uns mit Ostern versprochen, die gilt.
Es wird sich eigenartig anfühlen, die Botschaft von der Auferstehung nicht gemeinsam in Gottesdiensten feiern zu können. Das hat es so noch nie gegeben. Aber wir werden sie weiter sagen: in der Familie, persönlich am Telefon, in Radio, Fernsehen und Internet.
Wir sind herausgefordert, kreativ zu werden und andere Formen zu finden für Beistand, Seelsorge und gottesdienstliches Feiern. Vielleicht haben Sie da ja auch die eine oder andere Idee - und erzählen uns davon.
Ich wünsche mir, dass wir in diesen schwierigen Zeiten nicht übersehen, mit wie viel Verstand, Mut und Können Gott uns beschenkt hat - uns, unsere Familien und Freundeskreise, unsere Gemeinschaften. Mit Zuversicht kann es uns gelingen, einen Weg durch die Krise zu finden.
So wie in Wien: Dort haben zwei junge Leute in einem Mehrfamilienhaus einen Hilfsbrief für ältere Nachbarn aufgehängt, in dem sie anbieten, Einkäufe und andere Tätigkeiten in der Öffentlichkeit zu übernehmen. Er endet mit den Worten: Gemeinsam steht Wien auch eine Pandemie durch.
Auch solche Nachrichten finden sich im Internet: Gott sei Dank.
Bleiben Sie behütet - das wünsche ich Ihnen im Namen des gesamten PastorInnenteams
Ihre Gabriele Schinkel