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Herzlich willkommen!

Unsere Kirche

Das Taufbecken der Stadtkirche

Kirchengemeinde in der Elbmarsch

Wir sind eine Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde in der Elbmarsch.

Die historische Kirche und das Gemeindehaus mit dem Kirchenbüro liegen als lebendiger Treffpunkt mitten im Zentrum der Stadt. Wir nutzen die zentrale Lage der Stadtkirche für Gottesdienste, die Schnittpunkte von Glaube, Tradition und eigener Lebenswirklichkeit sind.

Wir reden von Gott und bieten an, gemeinsam Gemeinde zu bauen.
Das beinhaltet auch, dass wir einladen, Gemeinschaft mitzugestalten und Möglichkeiten anbieten, sich für die Gemeinde zu engagieren. Wir bieten auf diese Weise Räume, in denen Menschen sich begegnen können.

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Altar und Orgel

 

 

Zum Tag des offenen Denkmals öffnen sich die digitalen Türen der Stadtkirche für Sie!

 

Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr der Altar der Kirche,

gepaart mit Musik von der Orgel, dem Instrument des Jahres 2021.

 

Mitwirkende:

Pastor Thomas-Christian Schröder, em.

und Kantor Florian Hanssen

 

Marktandachten

 

 

Marktandachten wieder regelmäßig in der Stadtkirche

Nach der Sommerpause in den vergangenen Wochen, soll es nun wieder regelmäßig einmal in der Woche Marktandachten in unserer Stadtkirche geben.

Jeden Freitag um 10 Uhr wird die Kirche wieder ihre Pforten zu Besinnung und Gebet öffnen.

Es beginnt am kommenden Freitag, dem 6. August, wenn Herr Pastor em. Schröder die erste Andacht halten wird.

Seien Sie herzlich willkommen!

Ihre Kirchengemeinde Glückstadt

 

 

 

Wieder Präsenzgottesdienste in der Stadtkirche

Stadtkirche Glückstadt

 

 

Liebe Glückstädter und Besucher,

endlich ist es wieder soweit.

Nach langer Zeit finden in unserer schönen Stadtkirche, unter den gewohnten Hygienemaßnahmen, sonntags wieder Gottesdienste statt.

Den ersten Gottesdienst feiern wir am 06.06.2021 um 10 Uhr mit Pastor Schröder.

Wir freuen uns sehr auf Sie.

 

 

 

Gedanken zum 13. Sonntag nach Trinitatis von Pastor Schröder, em.

Liebe Gemeinde !

Es gibt Geschichten, die wollen nicht Auskunft geben über historische Ereignisse: So oder so hat es sich damals ereignet.                                                                 

Sie werden vielmehr erzählt, weil sie etwas über den Menschen sagen, was zu allen Zeiten gültig ist. Sie sind eine Art Spiegel; in dem wir uns wiedererkennen können: Sie zeigen, wozu Menschen fähig sind im Guten, wie im Bösen. Sie zeigen aber auch, wie wir Menschen es anders machen können.

So eine Geschichte ist die Geschichte von Kain und Abel. Ich lese aus dem ersten Buch Mose, Kapitel 4, die Verse 1 bis 17:

Und Adam erkannte seine Frau Eva, und sie ward schwanger und gebar den Kain … . Danach gebar sie Abel, seinen Bruder. Und Abel wurde ein Schäfer, Kain aber wurde ein Ackermann.
Es begab sich aber nach etlicher Zeit, dass Kain dem Herrn Opfer brachte von den Früchten des Feldes. Und auch Abel brachte von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. 
Und der Herr sah gnädig an Abel und sein Opfer, aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an. Da ergrimmte Kain sehr und senkte finster seinen Blick.

Da sprach der Herr zu Kain: Warum ergrimmst du? Und warum senkst du deinen Blick? Ist’s nicht so: Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie.                                                                
Da sprach Kain zu seinem Bruder Abel: Lass uns aufs Feld gehen! Und es begab sich, als sie auf dem Felde waren, erhob sich Kain wider seinen Bruder Abel und schlug ihn tot. Da sprach der Herr zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er sprach: Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein? Er aber sprach: Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde. Und nun: Verflucht seist du auf der Erde, die ihr Maul hat aufgetan und deines Bruders Blut von deinen Händen empfangen. Wenn du den Acker bebauen wirst, soll er dir hinfort seinen Ertrag nicht geben. Unstet und flüchtig sollst du sein auf Erden.                                                                                                             
Kain aber sprach zu dem Herrn: Meine Schuld ist zu schwer, als dass ich sie tragen könnte. Siehe, du treibst mich heute vom Acker, und ich muss mich vor deinem Angesicht verbergen und muss unstet und flüchtig sein auf Erden. So wird mir’s gehen, dass mich totschlägt, wer mich findet.                                             

Aber der Herr sprach zu ihm: Nein, sondern wer Kain totschlägt, das soll siebenfältig gerächt werden.                                                                                      
Und der Herr machte ein Zeichen an Kain, dass ihn niemand erschlüge, der ihn fände.  

So ging Kain hinweg von dem Angesicht des Herrn und wohnte im Lande Nod, jenseits von Eden, gegen Osten.
Und Kain erkannte seine Frau; die ward schwanger und gebar den Henoch. Und er baute eine Stadt, die nannte er nach seines Sohnes Namen Henoch.

Eine Geschichte, wie sie immer wieder vorkommt. Einer hat Erfolg, der andere nicht. Wir erfahren nicht, warum das so ist. Warum werden die einen in ärmlichen Verhältnissen geboren, bildungsfern, wie wir gern sagen, und haben im Grunde von vornherein keine Chance, weiter zu kommen? Und die anderen bekommen schon von Kindheit an jede Förderung, die man sich nur denken kann? Warum ist die eine begabt und kommt voran? Und der andere müht sich ab, aber der Erfolg bleibt aus? Ist das nicht ungerecht? Ja, das ist es.

Kain macht GOTT verantwortlich für diese Ungerechtigkeit. Einer muss schließlich schuld sein. Eine wird in Europa geboren, in Frieden, Freiheit und relativem Wohlstand. Der andere in Afghanistan, wo Krieg, Armut und Willkür herrschen. Andere werden von Schicksalsschlägen oder Naturkatastrophen aus der Bahn geworfen.                                                                                                                    Es gibt keine Erklärung dafür, warum es die einen trifft und andere nicht. Es könnte jeden treffen. Das müssen wir aushalten. Wir leben „jenseits von Eden“.

Aber manchmal wollen wir das nicht. Aus Wut über echte oder vermeintliche Ungerechtigkeit haben Menschen sich schon immer gegenseitig umgebracht.   Weil eine Gruppe sich benachteiligt fühlt oder unterdrückt oder bedroht.                                                                               

Weil Bodenschätze und Ressourcen ungleich verteilt sind. Weil man glaubt, sich wehren zu müssen.                                                                                                             

Gewalt kann die verschiedensten Ursachen haben. Am Ende gibt es Tote; oft Millionen Tote; verwaiste Kinder, die im Land umherirren; Leid und Kummer.

Wenige Gewinner, viele Verlierer.

Kain ist uns näher, als uns lieb ist. Er lebt in uns. „Er ergrimmte und senkte finster seinen Blick“ heißt es in der Bibel.   

Wir kennen das : Wenn wir z.B. zur Rede gestellt werden - bei einer Verkehrskontrolle von den Polizeibeamten, in der Firma vom Chef oder der Chefin. Wer von uns guckt dann schon dem „Gegner" ins Angesicht, wenn er innerlich vor Ärger und Wut kocht? Wir sehen das Gegenüber nicht an – weil wir ihm am liebsten eine reinhauen würden!

Kain sieht nur noch sich selbst und seine Verletzung.                                              

Wer sich ungerecht behandelt fühlt, wer im Stich gelassen wurde von Menschen, denen er vertraut hat, wer vertrieben wird und abgeschoben, wer Mobbing erdulden muss, der ist tief in seiner Seele verwundet.                                          


Und manchmal geht die Verbitterung so tief, dass jemand nur noch auf Rache sinnt. „Denen werde ich es zeigen, die werden schon sehen, was sie davon haben!“ Es gibt nur noch dieses eine Ziel. Und alles, was dem im Weg steht, wird „weggeräumt“.

GOTT, so schien es Kain, wollte sein Opfer nicht. Er war zutiefst gekränkt und verbittert. „Gott will mich nicht!“ Der Vater liebt mich nicht! Er liebt Abel mehr als mich. Und deshalb muss Abel weg!                                                                        

Bis heute „müssen Menschen weg“ – aus irgendwelchen angeblichen Gründen - werden Kriege geführt, Terroranschläge verübt, Menschen verfolgt und misshandelt.

Aber das ist kein Naturgesetz! Gott warnt Kain: „Das Böse lauert vor deiner Tür, wie ein wildes Tier! Es will Gewalt über Dich erlangen! Lass das nicht zu!“

Die Warnung würde keinen Sinn machen, wenn Kain nicht auch anders KÖNNTE. Er ist nicht einem blinden Schicksal ausgeliefert. Er KÖNNTE sich mäßigen. GOTT erinnert ausdrücklich daran: „Wenn du fromm bist…“, sagt ER. Man kann auch übersetzen: „Wenn du es gut machst …“.                                                                

Es gibt noch eine Chance, ein „Wenn …“.                                                          

Niemand MUSS ein böser Mensch werden. Er KANN das Richtige tun, das Gute.
Aber Kain sieht nur noch rot. Er WILL nichts anderes sehen. Alle Brücken zur Außenwelt sind abgebrochen.                                                                                                  

Zu spät begreift Kain, was er angerichtet hat. Dann allerdings in aller Härte: „Meine Schuld ist zu groß, als dass ich sie tragen könnte.“

Solche Geschichten werden erzählt, damit die Hörer es besser machen.

„Wo ist dein Bruder?“, fragt GOTT. Er hat uns Menschen als soziale Wesen geschaffen, die einander brauchen und aufeinander angewiesen sind. „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist“, heißt es in der Schöpfungsgeschichte.

Durch seine Tat hat Kain sich selbst amputiert. Nun muss er die Folgen seines Tuns tragen. Er muss ohne Bruder leben: einsam und ohne Hilfe. Ohne einen nahen Menschen, der ihm beisteht. Ohne Zuhause. Nod, das Land, in das er nun kommt, ist das Land der Ruhelosen und Heimatlosen. Eben nicht das Paradies. Nod liegt jenseits von Eden.

Aber immerhin: Kain darf leben! Für GOTT bleibt auch der Brudermörder ein Mensch. GOTTES Fluch gilt der schlimmen Tat – nicht dem Täter.                                        

Auch wenn seine Schuld nicht wieder gut zu machen ist, der Mensch bleibt doch GOTTES Geschöpf und bekommt eine Perspektive.                   

Für Kain ist es eine Frau, eine Partnerin, mit der er Kinder zeugen kann. Eine Familie! Und: Kain baut eine Stadt für sich und seine Familie.

Kain – der erste Städtebauer. Seine Stadt wird nicht das Paradies. Nie mehr wird eine Stadt das Paradies sein. Aber immerhin! Ein Raum zum Leben, den er gestalten kann. Den wir gestalten können. Denn wir alle sind Nachkommen Kains. Wir können es in unseren Städten und Dörfern besser machen als er – wir können unsere Schwestern und Brüder hüten. Amen.

Bild von falco auf Pixabay

 

 

Das Wort zum Sonntag von Pastor em. Schröder

Liebe Gemeinde!

Dieser Sonntag trägt im Kalender der Kirche den Namen „Israel-Sonntag“ – ein Tag, der gerade bei uns in Deutschland eine Fülle von ganz unterschiedlichen Gefühlen und Assoziationen wachruft.

An diesem Tag hören wir den Propheten Jesaja sagen:

„Der HERR hat geschworen bei seiner Rechten und bei seinem starken Arm.

Gehet ein, gehet ein durch die Tore! Bereitet dem Volk den Weg! Machet Bahn! Räumt die Steine hinweg! Richtet ein Zeichen auf für die Völker!

Siehe, der HERR lässt es hören bis an die Enden der Erde:

Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein Heil kommt!

Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her!

Man wird sie nennen »Heiliges Volk«, »Erlöste des HERRN«,

und dich wird man nennen »Gesuchte« und »Nicht mehr verlassene Stadt«.“

Was für ein Versprechen! Ausgerechnet Jerusalem, die geteilte und umstrittene, die umkämpfte, zerrissene Stadt! Gerade sie – und keine andere - ist mit dem Tempelberg, dem Zion, der Ort auf Erden, zu dem Gott eine ganz besonders enge Bindung hat. Diese Stadt ist Sein Kind, über das ER seine Hand hält.

Und zwar ganz schlicht und einfach, weil ER es so will!                                             

Wie gut also, dass es Jerusalem und dass es Israel gibt! Denn dort hat alles angefangen, dort beginnt die Gnadenspur, auf die uns Jesus, der Sohn Gottes aus dem Stamm Davids, geführt hat.  Durch den Juden Jesus sind wir verbunden mit dem Glauben Israels.

Bei allen Unterschieden zwischen Juden und Christen gibt es einen großen Gleichklang darüber, was den Gottesglauben betrifft. „Ich glaube an Gott, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde", das bekennen mit je eigenen Worten Christen wie Juden.

Der Israelsonntag ist eine gute Gelegenheit, diesen Gleichklang des Judentums und des Christentums in Erinnerung zu halten. Die Fachleute der Bibelauslegung sprechen von „Strukturanalogien“ zwischen dem Alten und dem Neuen Testament.

So beschämend und bestürzend sich Martin Luther über Juden äußern konnte, so kenntnisreich und hingebungsvoll hat er sich dennoch dem Alten Testament gewidmet. Luther war Zeit seines Lebens ein Liebhaber des Alten Testaments, insbesondere des Psalters, seines biblischen Lieblingsbuches. Und so ist ihm nicht entgangen, dass die Heilsbotschaft, von der Güte und Barmherzigkeit des himmlischen Gottes uns aus dem Alten genauso wie aus dem Neuen Testament entgegenschallt.

Wie passt diese Heilsbotschaft für die Stadt Jerusalem und für die Glaubensge-meinschaft der Juden in die bekannte Geschichte? Wie passt sie in unsere Welt? Und was bedeutet sie für uns?

Zunächst und vor allem: Gottes Wort bleibt gültig, ganz egal, was auch immer geschieht.                                                                                                            

Bei Jesaja heißt es: „Der HERR hat es geschworen bei seiner Rechten und bei seinem starken Arm. Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her!“

Manchmal dauert es lange, bis man das gelobte Land erreicht oder bis Mauern fallen. 40 Jahre irrten die Israeliten in der Wüste umher.  Das Land, in dem sie siedelten, wurde erobert und verbrannt. Sie wurden in alle Winde zerstreut. Und am Ende sollten sie ganz und gar ausgelöscht werden.

Und dennoch: Es gibt wieder Synagogengemeinden bei uns: in Berlin habe ich eine mit Konfirmanden besucht. Aber auch hier in Norddeutschland: in Hamburg, Kiel, Elmshorn und anderswo. Der Kantor der Kieler Gemeinde hat Glückstädter Konfirmanden besucht, um mit ihnen über Sabbat und Pessach zu sprechen.              

Im alten Ghetto in Venedig, im „Ghetto vecchio“, feiern Juden wieder fröhlich und mit Gesang den Beginn des Sabbats. Es schallt über das Wasser des Kanales. – Nach so viel Tod „blüht der Mandelzweig“ wieder - und er klingt so schön, dass man am liebsten mitsingen möchte.

Zu wem Gott einmal „JA“ gesagt hat, den lässt ER nicht fallen. Das erwählte Volk Israel ist der sichtbare Beweis  dafür, dass Gott selbst durch schwärzeste Zeiten mitgeht und an seinem einmal gegebenen Bundeswort festhält.  Israel – ein Zeichen für die Völker. Ein Zeichen, das Hoffnung macht.

Zweitens, Gott folgt nicht den stärkeren Bataillonen. Ausgerechnet das Niedrige hat er erwählt. Der Berg Zion, auf dem Jerusalem erbaut ist, ist ein kleiner Hügel am Rande der großen Weltreiche. Der Jüngste wird König, und dieser König David wird der Stammvater Jesu.                   


Ein Kind wird in einer Krippe geboren und verändert den Lauf der Welt.  Ein verhöhnter und gequälter Mensch wird hingerichtet – und öffnet allen die Tür zum Leben. Was Gott berührt, das wird groß und schön.

All das folgt keiner Logik, und niemand kann es vorausberechnen. Doch immer wieder, auch jetzt, in diesem Augenblick,  irgendwo auf dieser Welt, wird ein Mensch jubeln, weil ihm etwas Wunderbares geschehen ist. 

Und schließlich: Gott hat ein Volk erwählt als Zeichen für alle Völker. Immer wieder spricht das Alte Testament von der Liebe Gottes zu seinem Volk. Beide sind und bleiben miteinander verbunden wie Bräutigam und Braut.

Diese Beziehung ist immer in Gefahr. Sie war es; und sie ist es auch heute.  Nicht nur in Berlin oder Halle müssen Synagogen und Jüdische Gemeindezentren von der Polizei bewacht werden. Aber wer die Augen nicht davor verschließt, wer mit den betroffenen Menschen spricht – der kann doch gar nicht anders, als nachdenklich zu werden. – Als nachdenklich zu werden und Scham zu empfinden über die Ablehnung und den Hass, der unseren jüdischen Mitbürgern und Mitbürgerinnen in unserem Land entgegenschlägt - und bewusst ein Zeichen des Friedens und der Verständigung zu setzen – ein Zeichen für die tiefe innere Verwandtschaft, die uns beide, Juden und Christen, verbindet.

Denn es ist derselbe Gott, zu dem wir beten. ER ruft uns zu :„Gehet ein, gehet ein durch die Tore!“ So wie es in vielen Synagogen über dem Eingang steht. „Machet Bahn, machet Bahn, räumt die Steine hinweg! Richtet ein Zeichen auf für die Völker! Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein Heil kommt!“

Amen.

Das Wort zum Sonntag von Pastorin Birgit Dušková

Bild von Jerry Coli by pixabay

Liebe Gemeinde,

der Predigttext für den heutigen Sonntag verwendet ein Bild, das in diesen Tagen beklemmende Realität ist.

Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. 25Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.

26Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. 27Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.“ Matthäus t 7, 24-27

 

Ich habe eine ganze Weile nachgedacht, ob ich tatsächlich diesen Text der von unserer Perikopenordnung für heute bestimmt wurde auch tatsächlich nehme.

Es sind Worte mit denen Jesus nach dem Matthäusevangelium seine berühmte Bergpredigt beschließt. Und tatsächlich ist eine BERGpredigt! Er spricht vom Trockenen aus zu Menschen, die ebenfalls im Trockenen sitzen.

Er spricht hier nicht zu Menschen, die gerade eine Hochwasserkatastrophe überlebt haben und vor den Trümmern ihrer Häuser stehen. In so einer Situation wäre das Bild höhnisch und ganz und gar unpassend.

Das Wasser der Elbe steht hoch und es hat auch bei uns auch in der vergangenen Nacht viel geregnet. Noch sind auch wir im Trockenen und unsere Häuser geben uns Sicherheit.

Die Bilder aus den Hochwassergebieten erreichen uns über das Fernsehen. Sie sind fern und dennoch gehen sie uns nahe. Sie gehen uns nahe, weil wir Menschen sehen, die großes Leid zu überstehen haben und weil wir selbst über die Situation wissen, denn auch wir erinnern uns an Hochwasser und Sturmfluten.

Das Bild Jesu vom klugen Mann, der sein Haus auf Fels baut und vom törichten Mann, der auf Sand baut leuchtet uns unmittelbar ein. Denn es ist auch bei uns eine ganz praktische konkrete Frage: wie schützt man sich vor Hochwasser? Was ist klug? Es ist eine Frage mit der sich die Menschen wohl seit der ersten Besiedlung in diesem Gebiet beschäftigt haben.

Das Bild ist in diesem auch nicht stimmig. Wer sich mit Hochwasser auskennt, weiß dass zwar Menschen in sehr unterschiedlichem Grad vom Wasser betroffen sein können, dass es aber unpassend ist von einzelnen Personen zusprechen, die in irgendeiner Weise klug oder töricht gehandelt haben.  Denn wie und wo gebaut wird entscheiden Menschen immer auch zusammen. Es ist ein gemeinsames Ringen zum Teil streiten, darüber was klug und was eventuell töricht in Anbetracht der Bedrohung durch Hochwasser ist. Über die Jahrhunderte hat sich in dieser Frage ein „Wir“ gebildet.  So sind wir entweder alle klug oder waren eben alle töricht.

So fragen wir uns mit Blick auf die Hochwasserkatastrophe konkret, welche Bauweisen in Zukunft sicherer sind und was sich in Zukunft im Umgang mit Gewässern ändern muss und wie insgesamt mit den Folgen des Klimawandels umzugehen ist.

Wie gesagt vermute ich, dass Jesus über alles vernichtendes Hochwasser, schlimme Sturmfluten aus eigener Anschauung vielleicht nicht soviel wusste. Er kann es daher auch einfach als Bild verwenden, was für die betroffenen Menschen vernichtende Realität ist.

Dennoch finde ich kann Jesus mitreden und die Frage die er an uns richtet passt am Ende doch: Worauf baust Du dein Leben auf? Was hält und gibt Dir Sicherheit?

Was sagen Menschen in den Hochwassergebieten?  Ein Seelsorger berichtet, dass ihm selbst die Worte fehlen, er greift selbst mit zur Schaufel und ist einfach mit den anderen, die versuchen aufzuräumen, mit sein… alle tröstenden Worte wären nur vertröstend und halten der erfahrenen Realität nicht stand.

Der leitendende Präses Pfarrer Thorsten Latzel der evangelischen Kirche im Rheinland berichtet von seiner Reise durch die Gemeinden im Hochwassergebiet.  Auch er hat Schwierigkeiten, Worte für das zu finden, was er dort sieht. So beschreibt er einfach, was er sieht und was ihm die Menschen vor Ort selbst berichten.

Da ist eine Frau, die aus dem Haus ihrer Großmutter einen Kruzifix gerettet hat. Diesen hat sie wortlos auf eine Kiste vor ihrem Haus gestellt. Jesus den Gekreuzigten lässt sie so für sich sprechen. Vielleicht tatsächlich noch einmal ein anderer als der der noch auf dem Berg sitzt und zu den Menschen in Bildern spricht.  Jesus der in die Katastrophe mit hinein geht, auch da ist wo Worte fehlen und mancher Glaubensgrundsatz selbst mit ihn den Fluten untergegangen ist.

Er berichtet auch von einem Mann, der sagt er aber nach diesem „Den Glauben an die Menschheit wiedergefunden“, der erlebte Zusammenhalt würde ihn schlicht überwältigen, er wäre größer und stärker als die Probleme, die es selbstverständlich auch gibt.

Und auch die Spendenbereitschaft spricht ich denke in diesen Tagen eine eigene Sprache. Sie stellt sich auch gegen die Wirklichkeit des Bildes welches Jesus in der Bergpredigt verwendet. Dass jeder nur seines eigenen Glückes Schmied sei und eben versichert oder nicht versichert ist, klug war oder eben Pech hatte scheint tatsächlich den meisten Menschen in Anbetracht der Hochwasserkatastrophe nicht zu gefallen. Halt und Sicherheit finden wir immer wieder durch die Fähigkeit in der Not zusammenzuhalten. Es nie zu garantieren und doch findet es sich immer wieder genauso, real in der Erfahrung.

Von etwas anderen spricht Jesus in der Bergpredigt nicht! Mit sein mit denen die Not leiden. Und auch Jesus verlässt am Ende den Berg und lässt zu, dass er ans Kreuz geschlagen wird, um auszudrücken : Ich bin mit Euch!

Ihre Pastorin Birgit Dušková

 

 

Hoffnungsworte

Hoffnungsworte, Worte zum Sonntag aus der Coronazeit finden Sie hier!

Seit es keine Gottesdienste mehr in der gewohnten Form geben kann,

haben die Pastoren dieser Gemeinde hoffnungsvolle, mutmachende Worte

und auch andere Beiträge verfasst und hier veröffentlicht.

Auf dieser Startseite finden Sie immer nur die zwei Aktuellsten,

aber alle vorangegangenen finden Sie unter der Rubrik "Hoffnungsworte".

 

 

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Losung des Tages

Friday, 17. September 2021

Lobet den HERRN, alle seine Werke, an allen Orten seiner Herrschaft! Lobe den HERRN, meine Seele!

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